Karl Zerbst

Karl Zerbst, Bürgermeister aus Überzeugung

Für welche gesellschaftliche Epoche oder gesellschaftliche Veränderung steht die Person exemplarisch?

Karl Zerbst vertritt mit seiner Amtszeit von über 34 Jahren (1898-1933) nicht nur die Zeit der Strapazen und Entbehrung zwischen und während der Weltkriege, sondern ist auch Repräsentant der Eigeninitiative, des Wirkens und Handelns eines Bürgermeisters. Er hat das Vertrauen der Bürger, wider derer Notstände bewahren können, wie sich an der vorweisbar längsten Amtszeit unter den Blankenburger Bürgermeistern ablesen lässt.

In Zusammenarbeit (z.B. mit der Baugenossenschaft) konnten Strukturen wie Kanalisation, Bahnnetz, Versorgungssystem und Wohnungen gefördert oder erstmalig realisiert werden. Die Wirtschaft und der (Wieder-) Aufbau der Stadt Blankenburg wurden gestärkt und Wirtschaftskrisen begrenzt oder abgewehrt.

Karl Zerbst sah seine Aufgabe darin, die Not, die aus den beiden Weltkriegen entsprang, für die Bürger der Stadt zu lindern und seine Heimat zu formen und dabei der Stadt Blankenburg Sicherheit bereitzustellen – auch aus Eigeninitiative und sozialem Engagement.   

Heutige Spuren in der Umgebung

Noch heute erinnern die geschaffenen Bauten der Baugenossenschaft an das Mitwirken der Aufsichtsratsmitglieder, unter welchem auch Karl Zerbst und Georg Schultz (wurde auch im Geschichtsprojekt eingebracht) gehörten. So hat Zerbst beispielsweise Wirtschaftsunternehmen (Post, Bahn, Konsum) als Unterstützer beim Erwerb erster Baugrundstücke gewinnen können.

Durch sein tätig sein konnte die Einwohnerschaft Blankenburgs bewahrt und gefördert werden. Zum Beispiel durch umfassende Versorgungs- und Hygienemaßnahmen wie den Bau der Kanalisation, die Auflösung ungesunder Wohnungen und seine Dienste als Ehrenmitglied der freiwilligen Sanitätskolonne und Mitgliedschaft im Vorstand des Kreisvereins des Roten Kreuzes.

Auch eine Karl-Zerbst Straße ist in Blankenburg heute zu finden.

Wie aus einem Zeitungsartikel der Volksstimme entspringt, wurde im Jahr 1999 sein letzter Wunsch, in Blankenburg beigesetzt zu werden umgesetzt. Sein Grab wurde zudem als Anlaufpunkt für Führungen integriert.

Lebenslauf

Karl Wilhelm Theodor Zerbst wurde am 5. August 1867 in Stolzenau/Weser geboren. Er wächst in einer evangelisch-lutherischen Familie auf und trat in den Braunschweiger Staatsdienst nach der Vollendung seines Jurastudiums.

Eine Krise in der Stadtverwaltung Blankenburgs im Jahr 1898 zwischen Neubürgern und Alteingesessenen, hatte den Rücktritt des alten Bürgermeisters (Ernst Salemon), sowie die Auflösung der Stadtverordnetenversammlung und Stadtmagistrats zur Folge. Zerbst verhalf zur Beilegung der Streitigkeiten und sorgte für Ordnung der Stadtverwaltung, daraufhin wurde er zum Vorsitzenden des Stadtmagistrats ernannt und von Albrecht von Preußen bestätigt. Dieser verlieh ihm 1899 auch den Bürgermeistertitel, somit wurde am 23. März 1899 die Ära Zerbst eingeleitet.

Einen Monat zuvor (am 18. Februar 1899) fand die Eheschließung zwischen Zerbst und Saldern Elisabeth Kunze statt. Sie sollen im Haus der Lühnergasse 3 residiert haben.

Zerbst zeigte zu seinen Lebzeiten großes soziales Engagement und trat vielerlei Vereinen bei und hatte viele Ehrenämter. Beispiele hierfür sind der Vorsitz des Schulvorstandes der Bürgerschulen, des Gewerbegerichts zu Blankenburg und des Kreiskommunalverbands Blankenburgs.

Hygienemaßnahmen wurden von ihm beschlossen, welche ein Kanalisationsnetz ermöglichte und ein Ortsbaustatut, welches ungesunde Wohnungen beseitigen sollte.

Ein großer Entwicklungssprung gelang, als am 30. Juni 1907 die Bahnstrecke Blankenburg-Thale eröffnet wurde und am 5. April 1908 Quedlinburg als Streckenschluss angegliedert wurde. Zerbst unterstütze deren Bau und Blankenburg wurde mit Schulen (z.B. Tischlerfachschule) und neuen Menschen besiedelt.

Erster Weltkriege und Nachkriegsjahre

Während der Weltkriege musste sich Zerbst neu erfinden und konnte sich als geforderter Bürgermeister in Krisenzeiten behaupteten. Die Erhaltung einer vorher bereits bestandenen öffentlichen Kriegsküche (1916) mit täglich preiswerter Nahrung und die von Domänenpächtern und Gutsbesitzern gewährleistete Nahrung zu Vorzugspreisen verhalf vielen Bürgern Grundbedürfnisse stillen zu können. Zerbst leistete zudem Dienste in der Sanitätskolonne und er war Mitglied im Vorstand des roten Kreuzes.

Das Vertrauen der Bevölkerung in ihren Bürgermeister überdauerte auch Wirtschaftskrisen und Unzufriedenheit in Nachkriegsjahren. Dies lässt sich besonders in den Wahlergebnissen von 1919 ablesen, wo die unter ,,Zerbst“ geführte Liste die höchste Stimmenzahl bei der Kreisversammlung errang. Nicht selten sprach er von der Rathaustreppe, um die Problematiken der aufgebrachten Mengen zu bewältigen. Als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Baugenossenschaft (von 1921 bis 1933) konnte er besonders schnell Aufgaben in Angriff nehmen. Große Bemühen gab es zudem seinerseits, Wirtschaft und Infrastruktur wieder zu stärken – Aus vielen Zeitungsartikeln geht heraus, dass dies auch mit Erfolg gelang. Straßen und Wege waren bis in die entfernte Außenstadt ausgebaut, die Zahl der Wohnhäuser hat sich bis 1924 um 700 vermehrt und die städtischen Betriebe waren auf dem Stand der Zeit. Ein Rückschlag war wiederum die Weltwirtschaftskrise (1929). Sie hatte 5000 gemeldete Arbeitslose im Arbeitsamtsbezirk Blankenburg zur Folge und dem sollte mit städtischen Notstandsarbeiten entgegengewirkt werden.  

Zweiter Weltkrieg und Spätes Leben

Als Zerbst den Aufenthalt auswärtiger Nationalsozialisten, aufgrund einer Straßenschlacht am 27/28. Juni 1931 verbot, – wird er ohne Angabe von Gründen am 28. März 1933 als Bürgermeister abberufen und gegen einen kommissarischen Bürgermeister ersetzt. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Zerbst als 78-jähriger wieder im Rathaus und bis 1948 im Stadtbauamt tätig. Selbst im hohen Alter half er bei Problemen aus – es galt Kriegsauswirkungen zu beseitigen. Für solche und weitere Dienste, welchen er sein Bürgermeisteramt und Leben widmete – wurde ihm als vorzeitiges Geburtstagsgeschenk am 28. Juli 1947 eine zusätzliche Rente von 100 Mark zuerkannt.

1950 verlässt er Blankenburg und zieht zu seinem Sohn nach Braunschweig. Er stirbt schließlich im Alter von 92 Jahren am 9. März 1960 in Helmstedt. Nach seinem Tod wurde er 1995 zum Ehrenbürger der Stadt Blankenburg ernannt und wurde dorthin 1999 auch umgebettet – so wie er es in seinem letzten Wunsch beschrieb.       

Weiterführende Quellen

Internet

●  https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Blankenburg%E2%80%93Quedlinburg#Geschichte

●  https://www.volksstimme.de/nachrichten/lokal/wernigerode/1152342_Kreisdirektor-kurbelt-Bauwesen-in-Blankenburg-an.html

●  https://de.wikipedia.org/wiki/Blankenburg_(Harz)#Liste_der_Bürgermeister_seit_1850[16]

https://www.blankenburg.de/aktuelles/details/artikel/enkelin-des-einstigen-buergermeisters-karl-zerbst-besucht-bluetenstadt/

https://www.youtube.com/watch?v=7I1KEoqTTbE

Lebenslauf tabellarisch

– Geboren am 5. August 1867 in Stolzenau/Weser

– Nach Vollendung des Jura Studiums – Eintritt in Braunschweiger Staatsdienst

– 1898 Krise in Stadtverwaltung – Zerbst hilft zur Beilegung von Streitigkeiten

– 18. Februar 1899 Heirat mit Saldern Elisabeth Kunze

– 23. März 1899 offizielle Ernennung zum Bürgermeister Blankenburgs

– 30. Juni 1907 Bahnstrecke Blankenburg-Thale

– 5. April 1908 Quedlinburg als Bahnstreckenanschluss fertiggestellt

– 1916 Errichtung öffentlicher Kriegsküche durch Stadtmagistrat (täglich preiswertes Essen)

– Wahl 1919 – unter Zerbst geführte Liste erhält höchste Stimmzahl

– 1921-1933 stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Baugenossenschaft

– 1929 Weltwirtschaftskrise → Ausrufung von Notstandsarbeiten

– 27/28. Juni 1931 Straßenschlacht zwischen Hitler Jugend, SA-Mitgliedern und  

  Angehörigen des Kampfbundes → Verbot auswärtiger Nationalsozialisten in der Stadt

– 28. März 1933 Abberufung vom Bürgermeisteramt

– Ende Zweiter Weltkrieg (1945) – wieder in Rathaus tätig und half Kriegsauswirkungen zu beseitigen  

– 28. Juli 1947 Anerkennung zusätzlicher Rente von 100 Mark

– 1950 Zerbst zieht zu Sohn nach Braunschweig

– 9. März 1960 in Helmstedt verstorben

– 12. März 1960 Beisetzung

– 1995 Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Blankenburg

– 1999 letzter Wunsch erfüllt – Umbettung nach Blankenburg

Impressum

Inhalt: Arbeitsgemeinschaft Geschichte des Gymnasiums „Am Thie“ Blankenburg (Harz)

Bearbeitung: Robin Johne, 11A

Projektleitung: Benedict Volkert

Internetpräsentation: Jörn Zuber

Begleitung: Förderverein „Blankenburg blüht auf e.V.“ (Ulrich-Karl Engel, Uwe Lauer)

Für die Erarbeitung dieser Seite danke ich besonders Hartmut Wegner und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Stadtarchivs.