Georg Schultz

Georg Schultz, Initiator des Genossenschaftswesens in Blankenburg

Für welche gesellschaftliche Epoche oder gesellschaftliche Veränderung steht die Person exemplarisch?

Mit Georg Schultz und seinem Wirken als Kreisdirektor im ehemaligen Kreis Blankenburg (1913-1930) verbinden sich Aspekte der gesamtstaatlichen Entwicklung nach dem 1. Weltkrieg und Blankenburger Stadtentwicklung. Die revolutionären Ereignisse nach dem Ende der Kaiserzeit hatten soziale Probleme weiter Teile der Bevölkerung, offenkundig gemacht. Zur Linderung der Wohnungsnot in Deutschland kam es angeregt von der Reichsregierung in den Jahren 1919 bis 1922 zu einer regelrechten Gründungswelle von Baugenossenschaften.

Georg Schultz erkannte früh, dass damit eine Möglichkeit gegeben war, nicht nur schnell Wohnraum zu schaffen, sondern unter veränderten politischen Verhältnissen der Weimarer Republik bei vielen Bürgern unterschiedlicher Herkunft gesellschaftliches Engagement und neuen Gemeinsinn zu entwickeln. So beförderte er die Gründung der „Baugenossenschaft für den Kreis Blankenburg“ die am 27. Februar 1921 erfolgte und sogleich er auch deren Vorsitz übernahm.

Heutige Spuren in der Umgebung

Die Genossenschaft hatte bereits im Jahr 1925 48 Wohnungen geschaffen. Bis 1930 wurden darüber hinaus 126 Wohnungen in 19 Häusern im östlichen Teil der Stadt [(heutige Georg Schultz-Straße, Lessingstraße, Husarenstraße, Börneckerstraße, Harzstraße (Timmenrode), Verlängerte Plantagenstraße (heutige Georg-Schultz-Straße)] errichtet und somit ein wesentlicher Beitrag zur Stadtentwicklung geleistet. Der Tätigkeitsbereich der Genossenschaft erstreckte sich auf das ganze Gebiet des Landkreises. So erfolgte auch in Braunlage, Hüttenrode und in Timmenrode (heutige Harzstraße) der Bau von Wohnhäusern. In den folgenden Jahren wurde die Genossenschaft mit dem Bau von Wohnhäusern für Wehrmachtsangehörige beauftragt.

Die Genossenschaft besteht als „Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Blankenburg eG“ bis heute und hat ihren Sitz in der Neuen Halberstädter Straße 3 auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerkes der Genossenschaft.

Lebenslauf

Georg Schultz stammte aus Höxter und wurde am 30. Januar 1868 in gut bürgerlichen Verhältnissen geboren. Dem Wilhelminischen Kaiserreich war er eng verbunden und strebte nach dem Abitur in Wolfenbüttel (1887) und einem Jurastudium in München, Berlin und Göttingen eine juristische Karriere mit anschließender staatlicher Anstellung an.

Nach seiner Übernahme in den Staatsdienst des Herzogtums Braunschweig 1898 wurde er – inzwischen Träger des „Ritterkreuz 1. Klasse“ – am 1. Oktober 1913 zum Kreisdirektor des Braunschweiger Kreises Blankenburg ernannt. Durch einen sogenannten „Bürgerbrief“ wurde er am 27.12.1913 Bürger der Stadt Blankenburg. Gleichzeitig erhält Georg Schultz eine Dienstwohnung im Gebäude der Kreisdirektion. In diesem Gebäude befindet sich derzeitig die Stadtverwaltung Blankenburgs.

Mit seiner Familie, Ehefrau Wilhelmine, geb. von der Heyde (stirbt im August 1918), und seinen vier Kindern (Walter Georg Hartmann Wilhelm, Gerhard Erdwin Karl Hans (stirbt im Mai 1919), Günter Ludwig Hans, Hartwig August Oltmann) lebte er bis zu seinem Tod in Blankenburg. Im Ruhestand lebte er in der Kreuzstraße 20.

Im ersten Weltkrieg hat er als Kreisdirektor sein Verwaltungsgebiet über die Nöte, die der erste Weltkrieg mit sich brachte, mit Erfolg hinweggebracht und dafür viele weitere Ehrungen erhalten.

Nach dem Tod seiner ersten Frau 1918, heiratete er 1925 die verwitwete Elfriede von Müller.

In den revolutionären Ereignissen nach der Abdankung des Kaisers und anschließend des Herzog von Braunschweig, Ernst August III, wurde Georg Schultz am 15. Juni 1919 vom Rat der Volksbeauftragten mit der Reorganisation der Landesbehörden beauftragt. Als Kreisdirektor im Kreis Blankenburg wirkte er bis zur Versetzung in den Ruhestand aus gesundheitlichen Gründen am 1. Mai 1930. Er verstarb am 13. Januar 1932.

Weiterführende Quellen

Internet

https://www.volksstimme.de/nachrichten/lokal/wernigerode/1152342_Kreisdirektor-kurbelt-Bauwesen-in-Blankenburg-an.html

https://www.gwg-blankenburg.de/Historie.html

Lebenslauf tabellarisch

– Geburt am 30. Januar 1868 in Externbrock, Kreis Höxter

– Besuch des Gymnasium in Wolfenbüttel bis 1887

– Studium der Rechtswissenschaft in München, Berlin und Göttingen bis 1891

– Erfolgreicher Abschluss der 2. Juristischen Prüfung 1894

– Anstellung in Braunschweig als Regierungsassessor beim Herzoglichen Staatsministerium ab dem 1. Oktober 1898

– Trauung mit Wilhelmine Luise von der Heyde am 11. November 1899 in Braunschweig

– Ernennung  zum „Kreisdirektor“ des Kreises Blankenburg am 1.Oktober 1913

– Tod seiner Ehefrau Wilhelmine am 30.8.2018

– Beauftragung durch den Rat der Volksbeauftragten mit der Leitung und Reorganisation diverser Öffentlicher Behörden am 15. Juni 1919; wie z. B. der Reform der Finanz-, Bau- und Wirtschafts-Organisation

– Gründung der Baugenossenschaft für den Kreis Blankenburg durch die Initiative Georg Schultz am 27. Februar 1921

– Baubeginn für die ersten Wohnhäuser der Baugenossenschaft ab dem 4. Juli 1921

– Wahl zum Mitglied des Braunschweigischen Landkreistages ab dem 16. Juni 1922, sowie  Ernennung zum stellvertretenden Vorsitzenden ab 1923

– Heirat mit Elfriede von Müller am 8. August 1925

– Versetzung in den Ruhezustand aus gesundheitlichen Gründen am 1.5. 1930

– Georg Schultz verstirbt am 13. Januar 1932

Weitere Bilddokumente und Zeitungsartikel

Impressum

Inhalt: Arbeitsgemeinschaft Geschichte des Gymnasiums „Am Thie“ Blankenburg (Harz)

Bearbeitung: Marius Schulze und Piet Kreuzmann, Klasse 10a

Projektleitung: Benedict Volkert

Internetpräsentation: Jörn Zuber

Begleitung: Förderverein „Blankenburg blüht auf e.V.“ (Ulrich-Karl Engel, Uwe Lauer) Für die Erarbeitung dieser Seite danken wir besonders Herrn Gernot Blanke, Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Blankenburg eG, der uns seine umfangreichen Recherchen zur Verfügung gestellt hat. Gleichermaßen danken wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Stadtarchivs.