Die Transpositionschiffrierung
Historisch betrachtet ist die Skytale von Sparta die
älteste bekannte Transpositionschiffrierung. Sie wurde bereits im antiken
Griechenland verwendet. Die Skytale ist ein Stab aus Holz. Um diesen Stab wurde
ein schmales Band aus Pergament, auf dem die verschickten Nachrichten geschrieben
wurden, spiralförmig gewickelt. Danach wurde das abgewickelte Band von
einem Boten zum Empfänger gebracht. Um die Nachricht zu entschlüsseln
benötigte dieser lediglich einen Stab desselben Durchmessers. Liest man
das Papier im abgerollten Zustand, so kann man nur Teilstücke der zuvor
geschriebenen Wörter erkennen. Für jemanden, der in diese Technik
nicht eingeweiht ist, ergeben diese Wortstücke keinen Sinn.
Die Skytale von Sparta
Beim Transpositionsverfahren werden also nicht die Zeichen
des Klartextes durch andere ersetzt, es wird lediglich ihre Reihenfolge (für
den ungewollten Betrachter) vertauscht. Als Grundlage für die Arbeit mit
dem Computer dient eine Matrix, in die das zu verschlüsselnde Wort zeilenweise
eingetragen wird. Die Anzahl der Spalten ist der geheime Schlüssel. Daraus
und aus der Gesamtlänge des Klartextes ergibt sich die Anzahl der Zeilen
in der Matrix. Der Geheimtext wird im einfachsten Fall durch spaltenweises Auslesen
der Matrix gebildet.
Beispiel: Gegeben sei die Zeichenfolge
K als Klartext, welche bereits in eine Matrix geschrieben wurde.
| T |
R |
A |
N |
S |
| P |
O |
S |
I |
T |
| I |
O |
N |
S |
C |
| H |
I |
F |
F |
R |
| I |
E |
R |
U |
N |
| G |
I |
S |
T |
G |
| A |
R |
N |
I |
C |
| H |
T |
S |
C |
H |
| W |
E |
R |
|
|
Klartext für das Transpositionsverfahren
Der Schlüssel (in diesem Fall also die Spaltenanzahl) sei
S = 5.
Somit ergibt sich der Geheimtext mit:
G = TPIHIGAHWROOIEIRTEASNFRSNSRNISFUTICSTCRNGCH
Eventuell auftretende Leerstellen
in der letzten Zeile lassen sich auch mit Blendern auffüllen. Zum Entschlüsseln
teilt man die Buchstabenanzahl des Geheimtextes durch die Anzahl der vereinbarten
Spalten. Dadurch weiß der Empfänger, in wie viele Zeilen er den Geheimtext
in die Matrix schreiben muss. Er trägt den Text dann spaltenweise ein und
liest ihn zeilenweise heraus.
Programme: transposition.html, transpositiondechiff.html, transchiffdechiff.html
Ein Angriff ist entweder über
statistische Verfahren oder durch Probieren mit verschiedenen Matrizen möglich.
Einem potenziellen Angreifer wird das Leben jedoch erschwert, indem man die
Matrix auch nach einer vorgegebenen Permutation spaltenweise ausliest. Als Beispiel
sei noch einmal der Ausgangstext K gegeben. Zusätzlich zu dem Schlüssel
S wird eine Permutation P festgelegt, welche die Reihenfolge des
spaltenweisen Auslesens definiert. Damit wird natürlich auch P zu
einem Teil des Schlüssels.
Beispiel:
S = 5
P =35241
Somit ergibt sich der Geheimtext mit:
G = ASNFRSNSRSTCRNGCHROOIEIRTENISFUTIC TPIHIGAHW
Die kombinatorische Komplexität,
also die Anzahl der möglichen Vertauschungen, um aus einem Klartext eine
Chiffre zu erzeugen, liegt bei diesem Verfahren (und einer quadratischen Matrix)
bei S!. Bei einer quadratischen Matrix und S=5 erhält man demnach
120 Vertauschungsoptionen, für eine Spaltenzahl von S=10 bereits 3.628.800.
Bei einer Abwandlung des Verfahrens wird nicht nur das Auslesen, sondern auch
das Einschreiben in die Matrix permutiert. Die kombinatorische Komplexität
liegt bei der „Gemischten Zeilen- und Spalten-Transposition“ (und einer quadratischen
Matrix) bei (S!)². Mit S=5 erhält man demnach 14.440 theoretische
Vertauschungsoptionen, für eine Spaltenzahl von S=10 bereits 13.168.189.440.000.
Je höher dieser Wert ist, desto sicherer ist das Verfahren, insbesondere
für Angriffe durch „Probieren“. Eine effektive Transpositionschiffre sollte
die Buchstaben des Klartextes möglichst „gut mischen“, das heißt,
dass zwei aufeinanderfolgende Buchstaben eines Klartextes im Geheimtext möglichst
nicht so oder in umgekehrter Reihenfolge erhalten bleiben und dass die Buchstaben
ihre ursprüngliche Position möglichst weit verlassen. Dadurch werden
auch Angriffe mittels statistischer Methoden erschwert.
In der Praxis werden Transpositionschiffren heute nur noch in Verbindung mit Substitutionschiffren verwendet.