Steganographie
Mit Hilfe der Steganographie wird die Existenz von Nachrichten
verborgen. Weitere Ziele sind die verdeckte Kommunikation (auch Kartenschwindler
bedienen sich z.B. solcher verdeckten Zeichen, die von Außenstehenden
nur schwer aufzudecken sind) und der unauffällige Transport von Nachrichten
in harmlos aussehenden „Behältern“. Der Einfallsreichtum war und ist grenzenlos.
Im alten Griechenland z.B. soll eine ganz besondere Art der Steganographie verbreitet
gewesen sein. Um eine Nachricht zu versenden, wurde zunächst einem Sklaven
der Kopf kahlgeschoren. Dann wurde die geheime Nachricht auf seiner Kopfhaut
eintätowiert. Nach kurzer Zeit war von der Nachricht nichts mehr zu sehen.
Der Sklave wurde nun zum Empfänger gesandt. Dieser scherte die Haare des
Überbringers ab und erhielt die Nachricht. (Boshaften) Überlieferungen
zufolge wurden dem Sklaven nach Empfang der Nachricht nicht nur die Haare, sondern
gleich der ganze Kopf abgetrennt: Nur so konnte die Geheimhaltung der Nachricht
für immer garantiert werden. Zu den schon klassischen Beispielen der Steganographie
zählen unter anderem:
- Unsichtbare Tinte,
- Zitronensaft,
- Mikrofilme,
- doppelte Böden,
- hohle Schuhabsätze,
- Semagramme (das Verstecken von Informationen in Bildern).
Ein Beispiel für ein Semagramm zeigt Ihnen nachfolgendes
Bild. Die Nachricht steht im Morsecode, der aus kurzen und langen Grashalmen
links von der Brücke entlang des Flusses und auf der kleinen Mauer gebildet
wird.
Klassisches Semagramm
Dank moderner Rechner lassen
sich heute Informationen relativ leicht in Texten, Bildern, Audio- und Videodateien
verstecken. Ein Beispiel für ein Programm, mit dessen Hilfe Informationen
in einer Grafik, einer Audio- oder Textdatei verborgen werden können, ist
SteganosII. Folgender Texte, der gleichzeitig das Funktionsprinzip von Steganos
erläutert, dient als „Geheimtext“:
Mit Hilfe der Steganographie
können Texte z.B. in Bilddateien versteckt werden. Das Programm Steganos
benutzt das am wenigsten signifikante Bit eines Datenelementes, um Daten darin
zu verstecken. Ein Element sind 8 Bit (1 Byte) in einer 8-Bit-Datei und 16 Bit
(2 Byte) in einer 16-Bit-Datei. Beispielsweise benutzt Steganos nur die niederwertigsten
Bits der Bytes in einer 8-Bit-Wave-Klangdatei, um Daten in ihr zu verstecken.
Da diese Veränderungen vom menschlichen Ohr nicht hörbar sind (z.B.
wegen des Grundrauschens) sind diese Daten tatsächlich versteckt. Bei Bildern
werden die Farben so geringfügig verändert, dass man die Veränderung
nicht sehen kann.
Möchten Sie den Text mit
SteganosII verbergen, müssen Sie diesen über eine Art Explorer in
den „sicheren Bereich“ ziehen. Anschließend wählen Sie eine geeignete
Trägerdatei aus. Denken Sie daran, dass komprimierte Dateien (.jpg, .mp3)
nicht funktionieren. Bei einer Grafik muss außerdem die x-Ausdehnung ohne
Rest durch 4 teilbar sein. Als Trägerdatei fungiert folgendes Bild:
Baby vulgaris
Nicht dass Sie denken, das Bild wäre schon manipuliert.
Das ist das Original! Nach dem Verbergen präsentiert sich das Bild wie
folgt:
Baby - Typ 007
Man muss schon seeehhhr genau hinsehen, vor allem, wenn
nicht bekannt ist, dass sich ein verborgener Text darin befindet. Natürlich
lassen sich Text und Bild auch wieder voneinander trennen. Eine weitere Technik
für unsichtbare Geheimschriften besteht darin, die zu übermittelnde
Nachricht in eine für jedermann zugängliche Nachricht einzubetten.
Dabei ist es wichtig, dass der Platz, an dem die eigentliche Nachricht steht,
vereinbart sein muss. Unter diesem Gesichtspunkt ist die folgende Zeitungsannonce
zu lesen:
Zeitungsannonce
Wenn man weiß, wo und
wann dieses Inserat zu finden ist und den Schlüssel kennt, kann die Annonce
„richtig“ gelesen werden – 8 Uhr bei Laila. (Bitte aber jetzt nicht alle
Zeitungen unter dem Aspekt von Verschwörungstheorien lesen.)
Ein praktisches Beispiel für
die Dechiffrierung eines getarnten Textes liefert das Programm steganographie.html.
Gegeben sei hier folgender berühmter Text, bei dem nicht unbedingt auf
die Rechtschreibung und Grammatik zu achten ist:
Text mit versteckter Botschaft
Die Verschleierung ist hier
schon etwas komplizierter, das dritte Zeichen nach einem Interpunktionszeichen
wird zu dem Geheimtext zusammen gesetzt, die Botschaft lautet dann:
Panel at east end of chapel slides.