Ihr Name geht auf Lyon Playfair
zurück, den ersten Baron Playfair von St. Andrews, das eigentliche Verfahren
wurde jedoch von Sir Charles Wheatstone erfunden, einem der Pioniere des elektrischen
Telegrafen im 19. Jahrhundert.
Bei der Playfair-Chiffre wird
jedes Buchstabenpaar im Klartext durch ein anderes Buchstabenpaar ersetzt. Dazu
müssen Sender und Empfänger zunächst ein Schlüsselwort vereinbaren.
Nehmen wir beispielsweise Wheatstones Vornamen, CHARLES, als Schlüsselwort.
Vor der Verschlüsselung werden die Buchstaben des Alphabets in einem zweidimensionalen
quadratischen Array von 5 Zeilen und 5 Spalten notiert. Begonnen wird, ähnlich
wie bei der vorangegangenen Chiffrierung mit dem Schlüsselwort, die Buchstaben
I und J werden zusammengefasst:
Im nächsten Schritt wird
die Mitteilung in Buchstabenpaare, sogenannte Bigramme, aufgelöst. Um ein
einwandfreies Funktionieren des Systems zu gewährleisten, müssen die
Buchstaben jedes Bigramms unterschiedlich sein, was im folgenden Beispiel durch
die Einfügung eines x zwischen den beiden m von komm erreicht wird. Ein
weiteres x wird ans Ende gesetzt, falls die Anzahl der Buchstaben ungerade ist.
| Klartext |
KOMM HEUTE ABEND IN DEN THIEPARK |
| Klartext in Bigrammen |
KO-MX-MH-EU-TE-AB-EN-DI-ND-EN-TH-IE-PA-RK |
Jetzt kann die Verschlüsselung
beginnen. Alle Bigramme lassen sich in drei Gruppen einteilen:
- Wenn beide Buchstaben in derselben Zeile liegen, werden sie
durch den Buchstaben ersetzt, der unmittelbar rechts von ihnen liegt; aus CH
wird also HA. Wenn einer der Buchstaben am Ende einer Zeile liegt, wird er durch
den Buchstaben am Anfang ersetzt.
- Wenn beide Buchstaben
in derselben Spalte liegen, werden sie durch den jeweiligen Nachbarn darunter
ersetzt; aus UF wird also NZ. Wenn sich einer der Buchstaben am Fuß einer
Spalte befindet, wird er durch den obersten Buchstaben der Spalte ersetzt.
- Wenn die Buchstaben eines Bigramms weder in derselben Zeile
noch in derselben Spalte liegen, gehen wir nach einer anderen Regel vor. Um
den ersten Buchstaben zu verschlüsseln, folgt man seiner Zeile, bis man
die Spalte erreicht, die den zweiten Buchstaben enthält; der Buchstabe
an diesem Schnittpunkt ersetzt dann den ersten Buchstaben. Für den zweiten
Buchstaben folgt man seiner Zeile, bis man die Spalte mit dem ersten Buchstaben
erreicht; der Buchstabe an diesem Schnittpunkt ersetzt dann den zweiten Buchstaben.
Aus KO wird also GQ, und aus MX wird KY.
Die gesamte Verschlüsselung sind dann wie folgt aus:
| Klartext in Bigrammen |
KO-MX-MH-EU-TE-AB-EN-DI-ND-EN-TH-IE-PA-RK |
| Geheimtext |
GQ-KY-IR-FO-OD-BK-FG-SM-FM-FG-RP-SG-HQ-AM |
Der Empfänger kennt das
Schlüsselwort und kann den Geheimtext durch die Umkehrung dieses Verfahrens
ganz einfach entschlüsseln (es ist ein symmetrisches Verfahren).
Playfair war aber nicht nur Wissenschaftler, sondern auch eine bekannte Persönlichkeit des öffentlichen
Lebens und entschlossen, Wheatstones Idee unter den ranghohen Politikern zu
verbreiten. Erstmals erwähnte er sie bei einem Dinner in Anwesenheit von
Prinz Albert und des künftigen Premierministers Lord Palmerston, später
stellte er Wheatstone dem stellvertretenden Außenminister vor. Leider
beschwerte sich dieser, das Verfahren sei zu kompliziert für den Einsatz
im Krieg, während Wheatstone dagegenhielt, er könne seine Methode
in 15 Minuten jedem Jungen aus der nächsten Grundschule beibringen. „Das
ist gut möglich“, antwortete der stellvertretende Außenminister,
„aber Sie könnten das nie einem Botschaftsattache beibringen.“ (Die Qualitäten
der Politiker haben sich seit diesen Tagen nicht gerade verbessert.)
Playfair ließ nicht locker,
und schließlich übernahm das britische Kriegsministerium sein Verfahren,
das wahrscheinlich im Burenkrieg erstmals eingesetzt wurde.
Angriffe ohne Kenntnis des
Schlüssels sind möglich, indem nach den häufigsten Bigrammen
im Geheimtext gesucht wird. Anschließend werden diese mit den entsprechenden
Bigrammen der jeweiligen Sprache verglichen.
Programme:
play1.html,
play2.html